Bräuche im Jahresrad


Die Rituale und Symbole des "Jahresrads" wieder zu erkennen in ihrer ursprünglichen Bedeutung schenkt uns ein heiliges Wissen, das viele Jahrhunderte lang unterdrückt und verdrängt wurde. Viele Rituale, Bräuche und Symbole erscheinen ohne diese Wurzeln sinnentleert und unverständlich. Deshalb möchte ich Euch auf dieser Seite mitnehmen auf eine Jahresrad-Reise entlang der alten Pfade...



Frau Percht und ihr Gefolge


Beschreibung folgt!











Adventkranz


Unser Adventkranz ist ein altes Symbol für das Jahresrad, welches sich zur Wintersonnenwende nun bald vollenden wird. Jede Vollendung trägt bereits den Keim des Neuen in sich. Der Adventkranz in seinem immergrünen Kleide symbolisiert auch diese „Ankunft des neuen Anfangs“.

Denn das Leben endet nie, auch nicht in dieser Zeit, wo alles Leben im Bauch der Erde ruht und seiner Wiedergeburt entgegenträumt. Daran erinnert uns das „Immergrün“ der Tannen, der Fichten, des Efeus, der Mistel…

Tannen und Fichten zeigen erst jetzt so richtig ihre Kraft. Ein Gefühl des lebendig seins durchflutet uns, wenn wir im Winter durch einen Wald mit Nadelbäumen gehen. Jede ihrer Nadeln ist ein Symbol für das nie erlöschende Leben.

Die Kerzen des Adventkranzes zeigen uns die vier Himmelsrichtungen und sie symbolisieren die vier Elemente, die dort ihre Quelle haben:

Die WEISSE Kerze brennt für den Osten, den Frühling und sein Element, die Luft
Die ROTE Kerze brennt für den Süden, den Sommer und sein Element, das Feuer
Die BLAUE Kerze brennt für den Westen, den Herbst und sein Element, das Wasser
Die SCHWARZE Kerze brennt für den Norden, den Winter und sein Element, die Erde

In der Mitte leuchtet die GOLDENE Kerze und kündet mit ihrer Flamme von der Wiedergeburt des Lichtes zur Wintersonnenwende. 

Die Kerzen zeigen uns, was gewesen ist im vergangenen Jahr und sie kündigen uns an, was wieder kommen wird im nächsten Jahr. Das, was war und das, was wieder sein wird – dieses Bild schenken sie uns Jahr für Jahr…


(kulturhistorische Deutung der Lichtersymbolik durch Heide Göttner-Abendroth)

...die "stillste Zeit im Jahr" werdet ihr nicht auf dem Adventmarkt finden und auch nicht beim Perchtenlauf. Sie zeigt sich auch nur ganz selten auf der Weihnachtsfeier und schon gar nicht im Einkaufszentrum. Immer wieder klagen die Menschen, daß diese "stillste Zeit im Jahr" gar nicht mehr still, sondern nur noch hektisch und laut sei.

Doch diese dunkelsten Tage des Jahres sind bis heute die "stillste Zeit im Jahr". Wenn wir in den Wald gehen und dort zum Lauschen anfangen, dann können wir sie immer noch hören: die Stille...


„Wir sagen euch an


Wir sagen euch an den ersten Advent. Sehet: die weiße Kerze brennt.
Wir sagen euch an eine heilige Zeit. Machet der Holle die Wege bereit!
Freut euch ihr Menschen! Frau, Kind und Mann!
Die Tore sind aufgetan.

Wir sagen euch an den zweiten Advent. Sehet: die rote Kerze brennt.
So nehme sich eins um das andere an. Wie es die Holle an uns getan.
Freut euch ihr Menschen, reicht euch die Hand!
Holle fährt übers Land.

Wir sagen euch an den dritten Advent. Sehet: die blaue Kerze brennt.
Erde und Himmel Frau Holle erhält. Deckt mit dem Mantel der Liebe die Welt.
Freut euch ihr Menschen! Dankt ihr dafür!
Holle steht vor der Tür.

Wir sagen euch an den vierten Advent. Sehet: die schwarze Kerze brennt.
So bringt aus der Tiefe Frau Holle das Kind. Damit ein neues Jahr beginnt.
Freut euch ihr Menschen! Lacht, singt und tanzt!
Das Jahresrad ist nun ganz.


(Copyright: „Int. Akademie HAGIA" - textliche Neugestaltung Tina Wicke)




1. Adventsonntag: Segnen des Adventkranzes


Frau Percht, ich bitte dich, segne mit diesem Weihe-Rauch, der aus deinem Erdenleib gewachsen ist, unseren Jahresrad-Kranz:

Schenke deinen Segen der weißen Kerze auf unserem Kranz. Segne mich und meine Lieben dadurch: mit deinen luftig-leichten Qualitäten, mit der Lebendigkeit des Frühlings, mit deiner inspirierenden Energie und laß uns unbeschwert und fröhlich wie Kinder durch dein Jahr der Erde tanzen.

Schenke deinen Segen der roten Kerze auf unserem Kranz. Segne mich und meine Lieben dadurch: mit deinen feurig-wärmenden Qualitäten, mit der Sonne und Fülle des Sommers, mit deiner Liebeskraft und deiner Leidenschaft für all unsere Vorhaben und laß uns die Fruchtbarkeit und die liebevolle Verbundenheit der roten Frauen in dein Jahr der Erde tragen.

Schenke deinen Segen der blauen Kerze auf unserem Kranz. Segne mich und meine Lieben dadurch: mit deinen wässrig-fließenden Qualitäten, mit der Ernte und Einkehr des Herbstes, mit deinen kraftvollen und Verbundenheit schenkenden Gefühlen und laß uns mit der Weisheit der schwarzen Frauen und ihrem Blick für das Wesentliche durch dein Jahr der Erde schreiten.

Schenke deinen Segen der braun-schwarzen Kerze auf unserem Kranz. Segen mich und meine Lieben dadurch: mit deiner erdig-festen Qualität, mit der Stille und Klarheit des Winters, mit deinen schöpferischen und das neue Leben verwirklichenden Kräften und laß uns gemeinsam mit den Weisen Alten einen Blick über den Zaun in deine andere Welt wagen, um damit immer mehr von deinem alten Wissen in dein neues Jahr auf der Erde bringen zu dürfen….

Schenke deinen Segen den immergrünen Pflanzen, die sich mir geschenkt haben, damit ich unseren Kranz binden kann. 



„Ihr Wesen von Tanne und Fichte, von Mistel und Efeu, von Stechpalme und Buchs, von Erika, Bärlapp und Zwergmispel, die ihr all den Weg in unseren Jahresrad-Kranz gefunden habt: seid gesegnet für eure Liebe und Treue zu uns Menschen. Mit euren immerwährenden Grün schenkt ihr uns die Gewissheit, daß das Leben niemals endet…“

Schenke deinen Segen auch der goldenen Kerze, die uns bald wieder davon künden wird, daß deine kosmische Mutter das Sonnenkind neu aus ihrem sternenübersähten Schoß geboren hat. Seit ewigen Zeiten gebiert unsere kosmische Mutter Jahr für Jahr das Licht der Welt wieder für uns. Segne mich, mein Wirken als Wildmohnfrau und das Sein meiner Lieben mit dem Strahlen deines Lichts und schütze all unsere Schritte durch dein magisches Jahr 2013.

Frau Percht, ich bitte dich, bringe mich in deinem neuen Jahr verstärkt ins aktive Tun. Schenke mir die Kraft und den Mut, die Tradition der Wildfrauen hier in unserer Salzburger Heimat wieder zu beleben. Laß meine Wildfrauen-Schwestern von früher und heute wieder zu mir kommen, damit wir gemeinsam diesseits und jenseits des Schleiers deine heiligen Feste wieder feiern werden.

Laß mich die Kraft, die Sinnlichkeit und die Freude über die Schönheit unserer Frauenbäuche wieder erwecken in den Leibern und Herzen der Frauen. Laß uns gemeinsam unsere Frauenbäuche mit pulsierender Lebenskraft und sinnlicher Leichtigkeit tanzen lassen und laß uns die Verbindung unserer Frauenherzen zu deinem feurigen Herzen wieder erinnern.





4. Dezember - Barbarazweige


Am 4. Dezember feiern wir den Gedenktag der Hl. Barbara. Die christliche Legende sieht in der Hl. Barbara eine „christliche Jungfrau, Märtyrin und Heilige des 3. Jahrhunderts, deren Existenz aber historisch nicht gesichert ist.“

Kann sie auch nicht sein, denn wie bei vielen christlichen Heiligen wurde auch hier die Legende über ihr angebliches menschliches Leben von christlichen Mönchen erfunden, um damit die von den Menschen seit Jahrtausenden verehrte Göttin christlich umzuformen.

Denn hinter der Hl. Barbara zeigt sich ein Aspekt der dreifachen Großen Göttin unseres Kulturraums: der Aspekt der Weißen Göttin, der Frühlingsgöttin. Sie ist die Himmelsgöttin, woran uns der Turm der Hl. Barbara bis heute erinnert. Barbara ist eine der christlichen „Heiligen Drei Madeln“ und trägt in dieser Gestalt gemeinsam mit ihren Schwestern Katharina und Margarethe die ursprüngliche Göttinnen-Trinität bis in unsere heutige, moderne Zeit.

Ihre Wurzeln reichen wir auch jene der „Drei Bethen“ im keltischen Raum, der „Drei Matronen“ in Mitteleuropa, der „Drei Moiren“ im alten Griechenland, der „Drei Parzen“ im römischen Raum und der „Drei Nornen“ in Nordeuropa in die jungsteinzeitliche, matriarchale Epoche zurück.

Barbara als christliche Vertreterin der Frühlingsgöttin schenkt uns im Frühling das neuerwachende, junge Leben! Sie ist es, die im Frühling alles wieder sprießen und wachsen läßt auf der Erde. Das, was für uns heute so selbstverständlich geworden ist, war für die Menschen früher gar nicht selbstverständlich gewesen. Sie unterstützten und feierten die neues Leben schenkende Kraft der Erde mit ihren Ritualen und Festen.

In dieser dunkelsten Zeit des Jahres, von der wir gar keine Ahnung mehr haben in unserer Welt des künstlichen Lichts im Überfluß, drückten die Menschen früher ihre Hoffnung, daß das Leben wiederkommen wird, wenn das Sonnenkind neu geboren, in vielerlei Symbolik aus und eines dieser Symbole sind die Barbarazweige.

Es werden Zweige von Obstbäumen, meist Kirsch- und Apfelbäumen, geschnitten und in der warmen Wohnung ins Wasser gestellt. Blühen sie bis zum Heiligen Abend, soll das „Glück“ für das neue Jahr bringen und junge Frauen bedienen sich der Barbarazweige als eine Art Liebesorakel, denn blühen die Barbarazweige auf, soll das ein Hinweis auf eine baldige Hochzeit sein.

Die alte Symbolik der Barbarazweige wird bis in unsere heutige Zeit transportiert. Doch ist der Blickwinkel, mit welchem wir dieses Symbol betrachten, zu eng gefaßt. Denn es geht dabei nicht um das „Glück oder die Liebe einzelner Frauen“, sondern mit diesem „Glück“, das uns die Barbarazweige anzeigen, ist das wiederkehrende, junge Leben auf der Erde gemeint.

In diesen Tagen, wo die lange Dunkelheit die Menschen vielleicht immer wieder daran zweifeln hat lassen, daß der Frühling wirklich wiederkommen wird, waren die Barbarazweige Hoffnungsträger für die Menschen: dahingehend, daß die Kosmische Göttin zur Wintersonnenwende das Lichtkind neu gebären wird. Die Kraft der Sonne von da an wieder von Tag zu Tag wachsen wird und wenn ihre Kraft groß genug geworden ist, das neue Leben allerorts wieder hervorsprießen wird.

Bis zu Wintersonnenwende sollten die Barbarazweige ursprünglich erblühen, um an diesem hohen Festtag zu einem blühenden Zeichen dafür zu werden, daß in einigen Monaten überall auf der Erde die Bäume wieder blühen werden und die junge Frühlingsgöttin die Erde wieder mit ihrer neu erwachenden Fruchtbarkeit segnet.





8. Dezember - MARIA EMPFÄNGNIS

An diesem katholischen Feiertag mitten im Advent empfing laut christlicher Lehre Mutter Anna ihre Tochter Maria. Oftmals wird dieser Feiertag irrtümlich so verstanden, daß Maria an diesem Tag das Jesuskind empfangen hat. Doch das wäre dann eine sehr kurze Schwangerschaft gewesen bis zum Heiligabend.

Maria Geburt feiern wir am 8. September, also genau 9 Monate nach der Empfängnis Mariens am 8. Dezember. Mutter Anna empfing ihre Tochter laut christlichem Dogma „ohne Erbsünde“.

Dies ist ein interessanter Aspekt an dieser Empfängnis Marias, denn wie wir aus der Bibel wissen, kam die Erbsünde mit dem Christentum in die Welt. Wenn also Mutter Anna noch ohne Erbsünde war und auch ihre Tochter ohne diese empfangen wurde, dann ist das aus meiner Sicht eine eindeutige Bestätigung dafür, daß „Anna“ und „Maria“ viel älter sind als das Christentum.

Womit sich klar zeigt, wer sich unter hinter den christlichen Heiligen Anna und Maria verbirgt: die mythische, alte Göttin, welche von Sumer bis zum vorrömischen Latium als „Anna“ bekannt war: Anatha in Syrien, Anat in Kanaan, Ana oder Anah im Alten Testament, die semitische Di-Ana, die keltische Anu, die alteuropäische Diana, die irische Dana…

„An“ bedeutet „Mutter“ und deshalb erzählen all diese Göttinnennamen von der „Mutter-Göttin“, welche über viele Jahrtausende vor dem Christentum von den Menschen weltweit als ihre „Mutter“ verehrt wurde.

In dieser Zeit, in der Mutter Erde schon wieder schwanger ist mit dem neuen Leben in ihrem Erdenschoß, feiert die katholische Kirche das „Fest der Empfängnis der Urmutter Anna“, welche im christlichen Sinne „Mutter Erde“ symbolisiert.




Urmutter ANNA - Annakapelle Berndorf



Kekse backen


Viele Bräuche, die wir bis heute in der Vorweihnachtszeit pflegen, verweisen auf die Göttin und wurden später mit mehr oder weniger Erfolg mühsam christianisiert. So buken die Frauen schon lange in dieser Zeit Gebilde aus Kuchenteig, welche die Göttin darstellten oder symbolisierten.

Dieser Brauch ist in ganz Europa, dem Mittelmeerraum und dem Vorderen Orient verbreitet. Hier bei uns dauert dieser Brauch als sogenannte „Weihnachtsbäckerei“ bis heute an, allerdings haben sich die abgebildeten Symbole gewandelt:

Es gibt zwar noch immer Sterne und Monde, welche auf das Wirken der Göttin im Kosmos in dieser Zeit hinweisen, aber anstatt Frau Holle oder Frau Percht prangen nun Engerl und Nikoläuse.