Flinserl in Bad Aussee


Alljährlich am Faschingsdienstag ziehen in Bad Aussee die Flinserl und Trommelweiber durch den Ort. Zuerst kommen die TROMMELWEIBER, die mit dem Lärm ihrer Trommeln den Winter vertreiben sollen. Auch wenn aus den Priesterinnen der Weißen Göttin nun Männer in weißen Frauennachtgewändern geworden sind, zeigt sich in diesem Brauch doch bis heute die frühere Bedeutung dieses bedeutsamen Rituals am Beginn des Frühlings.

Dann stürmen die PLESS plötzlich durch die Menschen und stellen mit ihren Bienenkörben über dem Kopf, in alte, wattierte Kleidung gekleidet und einem Schmutzlappen am Stock laut Überlieferung den Winter dar. Sie jagen die Kinder und die Kinder jagen die Pless. Darin zeigt sich der "Kampf" zwischen dem Alten und dem Jungen, denn es ist eine Schwellenzeit nun am Beginn des neuen Frühlings.

Der "Bienenkorb" am Kopf ist ein Versuch, den Leben spendenden Schoß der Göttin - in vielen Kulturen symbolisiert durch "Kelch, Gral, Kessel, Füllhorn, Korb" - als zentrales Symbol der Großen Göttin zwar weiterhin präsent sein zu lassen. Aber wie bei allem, was den matriarchalen Menschen früher heilig war, steht auch hier die Sache im Patriarchat auf dem Kopf. 

Die HEXEN erscheinen als dämonisierte Variante der alten Schamaninnen und Priesterinnen unseres Kulturraumes. Und dann folgt der Zug der FLINSERL. Sie stellen laut den traditionellen Beschreibungen "Frühlingsgestalten" dar mit ihren über und über mit Pailetten und den wundervollsten Figuren und Ornanmenten bestickten Naturleinenkleidern: Trachtenpärchen, Pfaue, Harlekin, Drachen und der "insbesondere aus Venedig so bekannte Mohrenkopf" sind in nahezu jedem Flinserlgewand zu finden.

Ich vermute, daß die Darstellung des "Mohrenkopfes" auf eine frühere Verehrungsgestalt der Göttin zurückgeht, denn in den Flinserl zeigen sich meiner Ansicht nach eine besondere aufwendig gestaltete Form von Vogelperchten, wie sie vor allem im Brauchtum des Salzburger Pinzgaues noch vertreten sind. Die Göttin wurde lange Zeit in der Gestalt der Vogelgöttin verehrt und daran erinnern die Vogelperchten und mit ihnen auch die Ausseer Flinserl bis in die heutige Zeit, denn wir die Göttin in früheren Zeiten schenken sie den Kindern aus ihren "Säcken" Nüsse als Nahrung.











Die "TrommelWEIBER" - auch dahinter verbergen sich allesamt nur Männer, wie sich das so gehört für "reines Männerbrauchtum".



 

"Pless" und "Hexen" erscheinen im Faschingstreiben von Bad Aussee.




Die Kinder sagen die "Flinserlsprüche" auf und werden dafür mit Nüssen aus dem Sack der Flinserl belohnt. Auch wenn die Inhalte der Sprüche heutzutage teilweise ziemlich profan und derb klingen, zeigt sich in diesen Reimen doch die Tradition der "magischen Sprüche", unser heimisches, schamanisches Erbe.








Wovon die Flinserlgewänder da so erzählen aus früheren Zeiten zeigen diese Bilder:

  

 

  

 


So eine prachtvolle Darstellung der "Vogelgöttin" ziert dieses Flinserlgewand.




Zum Abschluß erscheint die Flinserlmusik und spielt zum Tanz der Flinserl auf. Zuvor hat der ZACHERL mit seinen Saublasen darüber gewacht, daß nur die Kinder die Nüsse erhalten und die Erwachsenen sie ihnen nicht streitig machen. Auch ist der Zacherl dafür zuständig, die "Flinserlgewänder zu beschützen und in den Gasthäusern das Quartier für die Flinserl vorzubereiten". Ein wahrlich geteuer Diener der Vogelgöttin bis in die heutige Zeit.





  

  


Ganz so prächtig wie die Flinserl haben wir uns nicht geschmückt für unsere Reise nach Bad Aussee. Doch zu erleben, wie sehr die alten Rituale im Jahreslauf der Göttin immer noch präsent sind in den Bräuchen unserer Heimat hat uns mit Freude und einem wissenden Lächeln erfüllt.





Doch nicht nur Fotos haben wir mitgebracht aus dem Ausseerland, sondern auch ein Video. Unter diesem FLINSERL-LINK könnt Ihr auch noch für einige Minuten "live" eintauchen in das laute und bunte Faschingstreiben im Bad Aussee.