15. August -  "Maria Himmelfahrt"

Hoher Frauentag - Zeit der Schnitterin



Der „Frauendreißiger“ hat begonnen. Jene besondere Zeit im Jahreslauf, in der die Heilkräuter die meiste Kraft getankt haben dank Erde und Sonne. Es ist die hohe Zeit der Ernte, denn nur was jetzt geerntet wird, kann uns über den Winter ernähren. Die Schnitterin zieht über die Felder, sie bringt den reifen Ähren den Tod, damit daraus Nahrung und neues Leben entstehen kann.

Im Christentum begegnet uns die Schnitteringöttin bis heute in Gestalt der Hl. Notburga. Sie hängt ihre Sichel an den Sonnenstrahlen auf. Das bedeutet im konkreten Sinne, daß die Kraft der Sonne nun beschnitten wird und der Sonnenbogen wieder abnimmt.

Die Kraft der Schnitterin zeigt sich auch in uns Frauen. Indem wir all das ernten was die Erde auf ihrem Leib hat reifen lassen über den Sommer. Die Früchte und das Gemüse. Das Getreide und vor allem auch die Heilkräuter, denn sie stellten über viele Jahrtausende die Hausapotheke im Winter dar.

Anfangs versuchte das neu entstehende Christentum, das Sammeln der Heilkräuter zu verbieten, denn alles, was von der Erde kam, paßte nicht in das Weltbild der „Kirche der bärtigen Männer“, wie das Christentum anfangs vom Alten Volk bezeichnet wurde.

Da sich die Frauen das Sammeln der Heilkräuter aber nicht verbieten ließen, wurde der Kräuterbuschen unter den Segens Mariens gestellt. Maria als die christliche Nachfahrin der heimischen Göttinnen Frau Percht und Frau Holle erhielt nun die Attribute der alten Göttinnen und die heiligen Göttinnenpflanzen wurden zu Marienpflanzen umbenannt.


Dir, Göttin sei Dank für diesen besonderen Morgen:



Der Bogen der Sonne beginnt an diesem Morgen genau über dem Buchberg, jenem kraftvollen Hügel über dem Trumer Seenland. Die Weite des Ostens ist spürbar mit jedem Windstoß, der mit meinen Haaren spielt.










 

Schon um drei Uhr Morgen hast du mich zum ersten Mal geweckt an deinem hohen Frauentag. Um mir zu zeigen, daß ich in zwei Stunden nicht mehr zu müde sein werde, um gemeinsam mit den Frauen die Kräuter auf deinem Rücken zu sammeln. Als ich schon eine halbe Stunde vor dem Läuten des Weckers um halb fünf Uhr wach im Bett liege, spüre ich deine Kraft in mir erwachen und schaffe das, was ich am Vorabend noch nicht für möglich gehalten hatte:



 

Ich stehe pünktlich zu Sonnenaufgang um kurz vor sechs Uhr Morgen gemeinsam in einem Kreis von 15 Frauen und wir begrüßen dich in Gestalt deiner Himmelsrichtungen und laden deine Elemente ein, gemeinsam mit uns zu sein.







Monika Rosenstatter begleitet uns mit ihrem Wissensschatz durch das üppige Kräuterleben auf den Höhen des Haunsberges.



Du sprichst zu uns nicht mit Worten, sondern es sind die Zeichen, die uns deine Botschaften übermitteln. So wie ich nun, beim Hinspüren, wie ich das Sammeln deiner Pflanzenkinder für meinen Kräuterbuschen beschreiben soll, plötzlich ein Beifußblatt in meinem Haar finde. Artemisia, das mächtige Frauenkraut, sie bringt uns die Botschaften der Pflanzenwesen wieder näher.











Ein ganz seltenes Pflanzenwesen zeigst du uns heute auch: das Tausendguldenkraut! Ich spüre deinen besonderen Segen für meinen Haunsberg, der aus diesem rosa blühenden Göttinkind zu mir spricht und mein Herz ist erfüllt von Dankbarkeit, hier daheim sein zu dürfen.




Als „Wildmohnfrau“ stehe ich in der Tradition der Wildfrauen und Saligen, deiner früheren Priesterinnen, Heilerinnen und Schamaninnen des Alpenraumes. Deine Botschaft, daß die „Wildmohnfrau“ als deine Tochter hier an diesem Morgen auf diesem Platz genau richtig ist, war unübersehbar für mich.

















Auf deinem warmen Erdenbauch liegend gabst du unseren Kräuterbuschen deinen Segen…




Auch wir wärmten und stärkten unseren Leib im Kreis der Frauen und die Fülle deiner Gaben reichte von rohen Eiern über frisch gebackene Brezen bis zu verführerischer Wilderdbeerschokolade.









Doch wie das so ist mit der Schnitterin: plötzlich ist sie da und schickt ihren Gruß in die Runde… deine Sense in der jungen Birke im Westen stehend erinnerte mich wieder daran, daß nun deine hohe Zeit ins Land gezogen ist: Notburga…Schnitteringöttin…Demeter…Hel…