GedankenGut


Nach Jahren, in denen Klio und Terpsichore meinem Lebensweg vorausgegangen sind, klopft Erato wieder bei mir an. Noch zögere ich und überlege, wie weit ich ihr dieses Mal die Tür zu meinem Leben öffnen will, öffnen kann. Einstweilen aber erzähle ich aus jener Zeit, in der sie erstmalig die Räume meines Lebens durchflutet und erhellt hatte mit dem Zauber ihrer Worte:


Novembergrau, Novemberblau

Dort, wo die Hochnebel sich lichten

Den Blick freigeben auf die dahinter liegenden Schichten


Möglichkeit einer klaren, tiefen, weiten Schau

Nach einer langen Zeit im endlos erscheinenden Grau


Herbstfarben die aus den Nebeln steigen

Die Kraft der Verwandlung in all ihrer Buntheit zeigen

(November 2013)




Nia mehr gstuzte Flügel

De Freiheit in mein Lebm

de kann i ma nur selba gebm!

Nur dann bin i frei und leb mei Lebm

de Verantwortung dafia is alloanig mia selba gebm.

Vü z'lang hab i drauf gwart, daß wer kimmt, vü z'lang erlaubt,

daß ma mia de Verantwortung fia mei Lebm abnimmt.

Vü z'lang auf des, was de Anderen sagn, ghert.

Vü z'lang denkt, i bin des do ois gar net wert.

Vü z'seltn auf de Stimm aus mein Bauch ghert.

Vü z'lang net gmerkt, wia ois lauft vakehrt.

Do vü z'lang is nu lang net z'spat,

plötzlich se mei Lebm in a ganz andere Richtung draht.

Zögerlich nur, do sie imma deitlicher wird,

de Stimm aus mein Bauch und aufamal vü Neiches passiert.

Imma klarer klingt's, de Stimm da tiaf in mia drin,

ois was i gspiar macht aufamal so vü Sinn.

I lass mi mit ihr treibm, lass mi von ihr führn,

mecht ois mit neiche Augn segn und mei Lebm mit Lust und Sinnlichkeit gspürn.

Mecht lachn, mecht rern, mecht tanzn, mecht schrein,

mecht lebendig wia a Kind mit offene Flügln sein!

(Juli 2005)



Dein Herz

Horch, dein Herz, es wü da was sagn,

is net so, du tuast meist de anderen fragn?

Kann i des machn, derf des sein,

horch doch nur in dein Herz hinein.

Da drinn, da kannst de Antwort findn,

horch oafach eini und dein Zrissnheit werd vaschwindn.

Wei wichtig is net, was de Anderen über di sagn,

für de entscheidenden Schritte muaßt nur de Stimm in dein Herzn fragn.

(Jänner 2005)



Trau i mi?

Trau i mi oder trau i mi ned?

I trau mi aber irgendwia trau i mi a ned.

I trau mi ned oder trau i mi derd?

Ja, i trau mi derd oda eppert do ned?

Vor lauta traun oder a ned

bin i iatzt im Hirn drin scho ganz bled. 

(Jänner 2005)



Land'n

Da Blick in deine Augn laßt mi vibriern,

i fang an, den Boden unta mia zu valiern.

Bist du da wann i fall, fangst du mi auf?

Du bist da wenn i fall, i vatrau drauf.

I lass mi falln und landt in dir.

Lass du di falln und land in mir.

(Juli 2005)



De Liab endlich fliaßn lassn

Liebe gebm, von ganzem Herzen,

Angst vor de Folgn, Angst vor de Schmerzen.

Mi trotzdem net vaschliaßn,

mit da Angst, mit de Folgn lebm miaßn.

Einlassn, aushaltn und zualassn,

de Liab endlich wieda fliaßn lassn.

(März 2004)



Muscheln in meiner Hand

Muscheln in meiner Hand,

Millionen davon im naßen Sand.

Mit Furchen und Rillen

genau mit solchen wollte sie spielen. 

Hat sie nun endlich gefunden,

an diesem Strand, in den frühen Morgenstunden.

Darum also sollte sie hierherkommen,

die Sehnsucht meines kleinen Mädchens hat "Form" angenommen.

Muscheln mit Rillen am heißen Strand,

 das Mädchen in mir hüpft vor Freude im naßen Sand.

(Caorle September 2004)