LebensWeg


Unsere Großmütter, besonders die, welche abends ein Licht oder eine Gabe vors Fenster stellten, wussten die Sagen der Wildfrauen aus den Bergen noch zu erzählen. Doch dann sind andere Geschichten wichtig geworden: die von Wohlstand und Bildung, von Technik und Wissenschaft, von Gleichberechtigung und Gleichstellung, von Luxus und Konsum, von Umweltschäden, Katastrophen, Arbeitslosigkeit. Und jetzt, wo wir alles haben - auch Leere und Hoffnungslosigkeit -, tauchen die Wildfrauen wieder auf aus ihren Verstecken in den Bergen und zeigen dir, was wir verloren haben.

Sie kommen aus der Vergangenheit und rühren an deiner Lebensgeschichte. Sie wirken fern und doch so vertraut. Abwehr magst du spüren gegen sie. Lächerlich, sie ernst zu nehmen! Und du bist überzeugt: Sie haben nichts zu tun mit deinem Leben. Sie wissen nichts von deiner Computerwelt, nichts von deinem Prüfungsstress und nichts von deinen Bankgeschäften. Sie helfen nicht mit bei politischen Aktionen und nicht beim Putzen deiner Wohnung. Sie kümmern sich nicht um dein Liebesleben, auch nicht um deine Kinder, wenn du an der Abeit bist. Deine Geschäfte lassen sie kalt und auch dein überfüllter Terminkalender.

Berggängerinnen sind sie, rauh und ungehobelt, sie passen nicht in deine alltägliche Erlebniswelt. Und manchmal sind sie zart, fein und erlösungsbedürftig. Keine Ahnung haben sie von deinen Sorgen, verschaffen dir weder einen Arbeitsplatz noch helfen sie beim Ausfüllen deiner Steuererklärung. So lieblich und schön, so rauh und hässlich sie auch in den Sagen daherkommen mögen und die Welt ins Gegenteil verkehren: Sie sind fernab von den wirklichen Problemen unserer Zeit. Nein, sie passen nicht in dein Leben. Wirklich nicht. Denkst du.

Doch immer öfter steigen die wilden und weisen Frauen herunter von den Bergen, wählen ihre Schülerinnen aus und nehmen sie mit. Kein Mensch wird es vorerst bemerken, wenn dir das passiert. Still und heimlich wirst du neue Welten bereisen - innere, aber auch solche, die ausserhalb von dir existieren, von denen du nicht mehr gewusst hast, dass es sie gibt. Und allmählich wird dir klar: Sagenfrauen sind Ahninnen - an ihren Erfahrungen kannst du anknüpfen.

Doch nicht darum geht es, einzutauchen in die vermeintliche Harmonie gestriger Zeiten, sondern darum, einen anderen Zugang zu den Aufgaben deiner alltäglichen Wirklichkeit zu finden. Denn deine Ahninnen werden dich auf ihre Weise lehren, mehr Kraft im Bauch zu sammeln, um die Wirksamkeit deines Tuns und Lassens zu verstärken.

Sie rütteln dich wach, die Ahninnen. Doch dann musst du dich ernsthaft auf die Suche nach ihnen machen.  Ihre Kraft liegt nicht offen da. Sie haben sich versteckt, denn lange Zeit sind sie vertrieben worden, verdrängt, verschwiegen, verleugnet, verbannt und verbrannt. Doch wenn du willst oder wenn du musst, kannst du sie und ihre Welt auf deine Weise wieder entdecken...

(Aus: "wild und weise" von Ursula Walser-Biffiger)


 



"Ich habe nie gesagt, dass ich einfach bin..."



Der Weg der Wildmohnfrau zu ihrer Bestimmung…

Als Schütze-Frau wurden mir Wissensdurst, Wahrheitssuche, das Denken in großen Zusammenhängen und eine ausgeprägte Freigeistigkeit mit einem gewissen Hang zur „Weltverbesserin“ schon in die Wiege gelegt. Mein Zwilling-Aszendent bringt die Kommunikation und das analytische Denken mit ins Spiel. In dieser Kombination „Schütze Aszendent Zwilling“ ist mein beweglicher Verstand immer auf der Suche nach Neuem. Mir ist es wichtig, dass das, was ich sage, Hand und Fuß hat. Ich will meinen Platz in der Welt mit Verantwortung einnehmen können und damit zu einem möglichen Vorbild für andere Menschen werden. Neue Horizonte wollen entdeckt werden, auch wenn diese der gängigen Logik widersprechen. Mit dem Optimismus der Schütze-Frau lerne ich aus all meinen Erfahrungen und gebe auch der Genussseite des Lebens und vor allem der Wichtigkeit von persönlichen Beziehungen in meinem Leben ausreichend Raum.

All diese Gaben, mit denen ich mich auf die Reise in dieses Erdenleben gemacht habe, waren für mich lange Zeit meines Lebens eher Fluch wie Segen. Immer wieder musste ich erleben, wie mein familiäres Umfeld mit diesen Gaben seine Mühe hatte. Ich versuchte mich anzupassen und „brav“ zu sein, so gut es mir möglich war. Nach der Geburt meines dritten Kindes bahnten sich diese Gaben jedoch immer mehr ihren Weg. In der Zeit daheim mit den Kindern fiel mir nicht die Decke auf den Kopf, sondern der Erdboden unter mir drängte sich immer mehr in mein Bewusstsein.

Die Vitrine mit den Weingläsern musste einem bis an die Decke reichenden Bücherregal weichen. An die Stelle des gefolterten Mannes an der Wand trat die Lebensspirale aus den alten Tempeln auf Malta. Die Erkenntnis, dass ich meiner eigenen Bestimmung folgen muss, dass ich die Sprache des Herzen wieder verstehen lernen muss, dass ich auf die Stimme aus meinem Bauch wieder hören lernen muss und will, diese Erkenntnis kam in Wellen zu mir.

Mit diesen Wellen bin ich immer mehr zu einer Wiederfinderin des alten Frauenwissens geworden, welches ich durch meine eigenen Erkenntnisse, Erfahrungen und Möglichkeiten in gelebtes, lebendiges Wissen verwandle. Mein eigenes Wiederfinden dieser spirituell-kulturellen Wurzeln der Menschen im Alpenraum hat mir bewusst gemacht, wie wichtig dieses Wissen für uns alle und vor allem für eine gute und friedliche Zukunft unserer Welt ist.

Keine leibliche Großmutter hat mich in die Tradition der weisen Frauen eingeführt. Die Hüterinnen des alten Wissens sind aus der anderen Welt zu mir gekommen, um mich Schritt für Schritt an meine Bestimmung zu erinnern. Salopp ausgedrückt bezeichne ich diese Phase als „die Arschtritte der Percht“, mit denen sie mich beständig und hartnäckig darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich mir für dieses Leben noch mehr vorgenommen habe als Mutter sein und Personalverrechnung.

Zwei Bücher waren in dieser Phase für mich sehr prägend: „Religion ist zu wichtig, um sie den Männern zu überlassen“ von Christa Mulack und „Frau Holle“ von Heide Göttner-Abendroth. Im erstgenannten Buch fand ich endlich jene Antworten, eine Beschreibung, die Erklärung für jenes subtile Sehnen in mir, das ich bisher nicht in Worte hatte fassen können: ich suchte nach meiner Weiblichkeit! Vor allem aber sehnte ich nach meinen weiblich-spirituellen Wurzeln.

Darum war ich in der Welt der Esoterik nicht fündig geworden. Engel, Lichtwesen und aufgestiegene Meister fehlte die Verbindung zur Erde, so wie auch mir. „Frau Holle“ brachte mir die Rückbindung an diese spirituell-weiblichen Wurzeln wieder. Sie knüpfte den Verbindungsfaden zu Heide Göttner-Abendroth und ihrer Akademie Hagia.

Im Ausbildungsvertrag stand: „Es ist wünschenswert, nach dem Studium die matriarchalen Werte, Inhalte und Formen in die eigene Lebensweise, in den Beruf und in gesellschaftliche Zusammenhänge zu integrieren und auf diese Weise zu einer Veränderung der Gesellschaft beizutragen."



Glücklicherweise hab ich bei der Anmeldung zum Studiengang nicht geahnt, mit welch einer Eigenmacht und Konsequenz sich diese „matriarchalen Werte und Formen“ vor allem in meinem persönlichen Leben immer mehr ausbreiten würden. Je mehr ich darüber erfahren hab, dass die Probleme meines Lebens als Ehefrau und Mutter nicht auf mein persönliches Unvermögen und Versagen zurückzuführen sind, sondern dass dahinter „patriarchales System“ steckt, desto weniger war ich dazu bereit, mich diesen patriarchalen Strukturen in meiner Ehe weiterhin auszusetzen. Diesen Impuls zum aus meiner Sicht nötigen Wandel in unserer Beziehung verstand Hans jedoch nicht als Chance zum gemeinsamen Wachsen. Er wollte seine traditionellen Frauenbilder nicht hinterfragen, sondern sah seinen weiteren Weg an der Seite einer anderen Frau. Damit schenkte er mir ein weitreichendes Potential zum Entdecken und Befreien meiner weiblichen Kraft und Selbstbestimmung. Durch alle Existenzängste hindurch führte mich mein Weg immer mehr in meine persönliche Freiheit und Eigenverantwortung.

Wie sehr alles „nach Plan“ verläuft und geführt ist in meinem Leben, wurde mir bewusst, als ich am Tag meiner Scheidung hoch auf dem südlichen Haunsberg stand und darauf hoffte, dass die Wolken den Blick auf Untersberg, „schlafende Hexe“ und Watzmann freigeben würden. Denn genau dieses Foto fehlte mir noch für die an diesem Tag ebenfalls anstehende Fertigstellung meiner Hagia-Studiengangs-Abschlussarbeit.

Heute erkenne ich aus diesen damaligen Erfahrungen und der Entwicklung meines Lebens seither, dass es keine Zufälle gibt. Für mich ist es die Percht, welche mit mir die Fäden Jahr für Jahr neu spinnt und verwebt. Das, was sein soll auf meinem Weg, das begegnet mir darauf. „Wenn dich die Percht an der Hand nimmt, dann kannst du deiner Bestimmung nicht entgehen, so groß die Ängste davor und die Widerstände dabei auch sein mögen“, diese uralte Weisheit der Wildfrauen, der saligen Frauen lässt mich mit jedem Tag ein Stück mehr meiner Bestimmung, meiner Selbstbestimmung, meiner Eigenmacht, meiner Freiheit freilegen. Indem ich mich selbst verändere, verändere ich die Welt und komme dabei und dadurch dem Wesen der „Wildmohnfrau“ immer näher…





Wie die Wildmohnfrau zu ihrem Namen gekommen ist…

Aus den Sagen und Mythen meiner Salzburger Heimat sind die früheren Heilerinnen, Schamaninnen, Priesterinnen, Hebammen als sogenannte „Wildfrauen“ bekannt. Dieser erdig-spirituellen Frauentradition fühle ich mich verbunden. Als „Wildmohnfrau“ knüpfe ich an diesem naturverbundenen, spirituellem Wissen und Wirken meiner Ahninnen an. Ich webe meinen ganz eigenen Lebensfaden ein in das Gewebe des Lebens, welchen nur ich so spinnen und mit allem Anderen verbinden kann.

„Zart und zerbrechlich wie Klatschmohn und doch gebe ich nie auf…“ Im Spiegeltanz-Ritual kam durch Tina diese Botschaft zu mir. Am Feuer wurde daraus die „Wildmohnfrau“ geboren.



Der Weg des Findens meiner Lebensweg-Beschreibung wird weitergehen...




Mei Erdn

 

Ih bin a Erdngeschöpf und wachs in ird’ne Töpf.

Ih glang mit meine Wurzn, de langa und de kurzn, ganz tiaf und fest as Kot.

Ih nähr mih, wia ih mag und kost‘ des Liacht von Tag.

Was Du mir gibst, des nimm ih und fallt Dein Regn von Himmi so leid ih niamals Not.

 

Grad wia der Bam de Äst, so halt‘ mih d’Erdn fest.

Sie is mein Nest, mein Wiagn, is d’Bruckn und mei Stiagn wann ih de Wurzn lös.

Und is des mal der Fall, so sink ih zu ihr oi.

Mei Staub dringt in ihrn Bobm, bald wachsn Bleamin obm, gehn auf in ihrer Größ.


- Elfriede Grömer  „…in oan Atemzug" -