Patriarchatskritik


Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt,

sondern wir haben sie von unseren Kindern geliehen.

- Weisheit der Navajo -



Bevor ich nähere Informationen zur Patriarchatskritik geben werde, will ich die oft gestellte Frage nach der Entstehung des Patriarchats kurz beantworten. Denn in dieser Hinsicht werden leider immer wieder falsche und gängie Vorurteile und falsche Informationen weitergegeben.


Patriarchatsentstehung:

Die Entstehung des Patriarchats kann nicht mit einer Ursache für alle Zeiten und überall erklärt werden. Denn es macht einen großen Unterschied, ob wir uns diese Frage für die Entstehung der ersten patriarchalen Strukturen vor ca. 4.000 Jahren stellen oder ob wir uns dafür interessieren, wie heutige matriarchale Kulturen von den patriarchalen Gesellschaft verdrängt und zerstört werden.

Ein sehr anschauliches Beispiel, von dem wir alle in unserem Geschichtsunterricht gehört haben, ist die Entstehung des Patriarchats in Nordamerika. Denn bis zu Kolonisation durch die weißen Europäer waren die indigenen Bewohner Nordamerikas matriarchale Stämme und Clans gewesen.

Ein weiteres, aktuelles Beispiel ist die matriarchale Stadt Juchitan in Mexiko. Das Herzstück dieser matriarchalen Stadt ist der Markt, auf dem die Frauen all das verkaufen, was sie auf ihren Wiesen und Feldern rund um die Stadt anbauen. Doch nun kommen die großen Agrobusinesskonzerne und versuchen, den Menschen ihr angestammtes Land zu enteignen.

An diesen beiden Beispielen läßt sich schon erkennen, wie komplex dieses Thema der Patriarchatsentstehung ist.

Da jedoch immer wieder zu lesen ist, daß „das Patriarchat deswegen entstanden sei, weil die armen Männer im Matriarchat so unterdrückt wurden und sie ihre männliche Macht erkannt hätten, als sie sich ihres Anteils an der Zeugung eines Kindes bewußt wurden…“ möchte ich diese falschen Thesen kurz widerlegen.

Denn wenn das so wäre, warum gibt es dann bis heute in allen Kontinenten außerhalb von Europa noch immer lebende, matriarchale Kulturen in denen sich ganz offensichtlich auch die Männer wohler fühlen als in den patriarchalen Gesellschaften.

Denn heutzutage könnten matriarchale Männer ganz leicht in eine patriarchale Kultur wechseln, da sich diese ohnehin meist schon fast bis vor ihre Dörfer und Regionen ausgebreitet haben und alles daran setzen, die letzten noch lebenden matriarchalen Gesellschaften auch noch zu verdrängen.

Doch es sind gerade die matriarchalen Männer, welche ihre Kultur nach außen hin verteidigen und schützen gegen das eindringende Patriarchat. Somit ist die These, daß „die unterdrückten Männer das Matriarchat zur Auflösung gebracht hätten“ eindeutig als falsch zu erkennen.

Mit der Erforschung der Patriarchatsentstehung sind Forscherinnen wie Dr. Heide Göttner-Abendroth intensiv beschäftigt und sie wird dazu in absehbarer Zeit auch ein Buch veröffentlichen.

Die von ihr vertretene Hauptthese zur Patriarchatsentstehung zeigt, daß dafür ökologische Katastrophen wie Wüstenbildungen im zentralasiatischem Raum verantwortlich sein dürften. Denn aus fruchtbarem Land wurde innerhalb kurzer Zeit Wüste und die dort ansässigen Menschen mußten abwandern.

In dieser Notsituation sind die matriarchalen Gesellschaften auseinander gefallen und andere Ackerbaukulturen wurden aufgrund der Hungernot überfallen und es bildeten sich daraus erste Hierarchien.




Links:

Informationsschreiben der Internationalen Akademie HAGIA zu den Vorgängen auf wikipedia:

Kritik von Heide Göttner-Abendroth am Buch "Die Erfindung der Götter" von Gerhard Bott

Vortrag von Anita Heiliger: "Die unangetastete patriarchale Struktur blockiert effektiven Schutz für Frauen und Kinder"

Link zu einer Kurzdoku über den Sojaanbau in Südamerika - denn darin ist sehr eindrücklich zu sehen, wie der westlich-patriarchale Macht- und Machbarkeitswahn den Lebensraum und die Lebensgemeinschaften von indigenen Menschen bis heute mit einer unbeschreiblichen Brutalität und Rücksichtslosigkeit zerstört.